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Donnerstag, 31. März 2011

Das Auto der Zukunft, 1972

Gestern war heute die Zukunft. Und heute ist die Zukunft von gestern die Vergangenheit, oder ähnlich. In die Glaskugel schauen war hingegen schon immer ein Hobby der Menschheit, besonders bei leichtverdaulichen Themen wie Automobiltechnik. Die Zeitschrift "auto, motor und sport" spürte 1972 die aktuellen- und künftigen Trends auf und zeigte den Lesern, wie man 1992 mit Opel, Ford, Audi und BMW von A nach B kommen wird. Ein Fall für vongestern.com - mit unkommentierten Originalzitaten zum mit- und nachdenken. Und tollen Bildern - in Farbe! Viel Spass!

"Der Ford-Entwurf einer viertürigen Sicherheits-Limousine kann allenfalls als eine auf dem Zeichenbrett ansprechend gelungene Einkleidung beträchtlicher Überhänge und Knautschzonen gewertet werden. Ansonsten aber zeichnen evidente Nachteile das extrem flache und keineswegs kompakte Auto aus. So dürfte es nicht ganz leicht fallen, vier erwachsene Menschen bequem in diesem Wagen unterzubringen, und auch bei der Installation eines konventionell gebauten Motors sind einige Probleme zu erwarten."

"Doch dieser Trend in eine unsichere Zukunft erhält noch weitere Impulse durch eine stärkere Einmischung der Obrigkeit in die technische und wirtschaftliche Entwicklung des Automobils: Abgasvorschriften, die bis dicht an das Verbot der heute gebräuchlichen Hubkolben-Motoren reichen und Sicherheitsbestimmungen, die praktisch einen völlig neuen Autotyp fordern, bieten weitere Voraussetzungen dafür, den Betrieb von Kraftwagen zu verteuern."

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"Die Daimler-Benz AG stellte kein Material zur Verfügung, Porsche sah sich aus personellen Gründen nicht in der Lage, einen Beitrag zu diesem Thema zu leisten."


"Der GT-Entwurf von Opel entbehrt - genau wie der Ford - nicht des optischen Reizes, aber in Hinblick auf die Zukunft des Autos beweist er eigentlich nur, dass sich Opel eineige Gedanken darüber macht, wie man den heutigen GT vor Ablauf des Jahrhunderts ändern könne. Dass in den nächsten 20 Jahren womöglich andere Dinge als Mittelmotoren und Heckspoiler Bedeutung erhalten, berücksichtigt diese Studie kaum."

"Den VW-Gestaltern fiel immerhin ein bislang unbekanntes Detail ein: Ein nach vorne laufendes Heckschiebedacht, das bei schönem Wetter den Transport von umfangreichen Freizeitgerätschaften wie Motorrädern oder Wasserski erlaubt."


"Audis Stromlinien-Keil bricht als einziger Entwurf etwas mit der überlieferten Autoform. Er lässt aber auch den Schluss zu, dass man in Ingolstadt gegen Ende dieses Jahrhunderts mit dem Ausbrechen einer neuen Eiszeit rechnet, denn bei der vorliegenden Gestaltung lassen die überdimensionalen Fensterflächen keine Versenkscheiben zu."


"Aber dass Glas teurer ist als Blech, leugnen ja auch die anderen Entwürfe ziemlich gründlich: Ohne eine Kältemaschine an Bord dürften die übrigen im Treibhausstil verglasten Modelle nicht zu geniessen sein. Und alle lassen sie die Frage zu, was die Piloten der neunziger Jahre durch die riesigen Windschutzscheiben eigentlich sehen wollen."


"Ebenfalls auf einen Gewinn an Sicherheit zielt das System der totalen Information ab, das allenthalben entwickelt und in diesem Zusammenhang von Ford vorgezeigt wird. (...) Zumindest auf vielbefahrenen Schnellstrassen rechnet Ford mit der Errichtung von Sendestellen, die einem im Wagen installierten Epfänger nicht nur Strassenzustands- und Verkehrsberichte über grössere Distanzen, sondern auch die Lage im nicht überschaubaren Nahbereich mitteilen - also vor Stauungen und dergleichen warnen, um dann im Stile des "Grossen Bruders" gleich die angemessene Geschwindigkeit in einem Leuchtfeld mitzuteilen. Die Strassenkarte soll in diesem System ein Video-Tape ersetzen, das synchron zur zurückgelegten Strecke die jeweilige Position und den ferneren Verlauf der Reise in Schriftzeichen und auf einem Kartenbildschirm wiedergibt."


"Die besonders von BMW immer wieder in den Vordergrund gestellte Tendenz, erstrangig das Zustandekommen eines Unfalls durch gutes Beschleunigungs-Vermögen, sichere Fahreigenschaften und gute Bremsen zu verhindern, ist inzwischen offenbar Allgemeingut der deutschen Autoindustrie geworden."

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"Die Rückspiegel (heutiger Kostenaufwand 5 bis 10 Mark) sollen eine Fernsehkamera und ein kleiner Monitor (künftiger Kostenaufwand knapp 1000 Mark) ersetzen".

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"Es fällt schwer zu glauben, dass solche teuren Dinge einmal erschwingliches technisches Allgemeingut werden, wenn sie von einer Industrie ersonnen werden, die sich heute noch längst selbstverständliche Gürtelreifen extra bezahlen lässt."



"Opel will sich auch in Zukunft sportlich geben und lässt seine Stilisten unermüdlich an GT-Entwürfen werden oben und unten)"

"Man glaubt daran, dass die Autowelt zumindest bis 1992 noch einigermassen heil bleibt."





"Ob man mit soviel Vertrauen in eine heile Autowelt die nächsten zwanzig Jahre ungeschoren überstehen kann, das ist zumindest höchst ungewiss. Die Illusion vom Zweit- und Drittwagen ist beinahe zu schön, für unser enges Europa."



"Audi bemüht sich am stärksten um neue Formen."


Kommentare:

  1. Sehr schick! Immerhin, die Idee der Fahrtroutenanzeige ist ja Realität geworden. Wenn auch nicht mit Videotapes...
    Gruß vom Quartettblog

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  2. ...und ohne Lochkarten...
    Aber allzu schlecht war die Vorhersage wirklich nicht!

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  3. Erstaunlich, wie nahe an der jetzigen Realität der Entwurf von Ford lag. Navigationssystem, Echtzeit-Verkehrsinformationen, Sensorik zur Selbstdiagnose der Fahrzeugtechnik, Armaturenbrett mit Digitalanzeige und Kamera-Rückspiegel. Alles heute verfügbare, wenn auch noch nicht unbedingt weit verbreitete Technik.
    (PS: Das "Video-Tape" und die Lochkarten waren wohl ein Zugeständnis an die technischen Kenntnisse der Leser damals ;))

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  4. An sich ist alles wahr geworden, mit kleinen technischen Abweichungen und es hat auch etwas länger gedauert...

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  5. Das letzte Audimodell erinnert irgendwie entfernt an Citroens Picasso und andere Familienkutschen.

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  6. aus welcher Ausgabe von ams ist das bitte? würde gerne etwas weiterlesen..

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