Alles selbst eingescannt aus alten Zeitschriften.

Donnerstag, 21. Juli 2011

En heimelige Härdöpfel mitenand: Schweizer Werbung 1983 / 1984

Im Winter, da regnets, im Sommer, da schneits, in der Schweiz, in der Schweiz, in der Schweiz. Bald, am 1. August, hat es wieder Geburtstag - unser aller Lieblingsland. Grund genug, ein paar alte Werbungen aus der Eidgenossenschaft zu betrachten. Der mit Abstand grösste Teil der vongestern-LeserInnen stammt zwar aus dem grossen, nördlichen Kanton. Doch die Schweiz ist auch in Zeiten eines unanständig erstarkten Frankens ein interessantes Ausflugsziel für Deutsche: Unsere Stärken liegen beispielsweise in der freundschaftlichen Verwaltung steuerbefreiter Sparstrümpfe. Zudem bieten wir massenhaft Arbeitsstellen an Universitäten, in Spitälern und im Pflegebereich. Und das, was die Deutschen oft für Schweizer Dialekt halten, nennen wir "Hochdeutsch". Wenn wir echtes Schweizerdeutsch sprechen, versteht uns höchstens noch ein Schwabe. Die meisten würden doch bereits über den Begriff "Härdöpfel" stolpern (nicht zu verwechseln mit dem gemeinen Schlauchapfel).
In der ersten Hälfte der 80er Jahre schienen Mundart-Slogans in der Werbung aber en Vogue zu sein, was folgende Trouvaillen dokumentieren:

Kartoffeln im Topf sind wie ein Dach über dem Kopf - etwas weit hergeholt scheint dieser Vergleich aus dem Jahre 1984, mit welchem die Schweizer Kartoffelindustrie für ihre Kernkompetenz warb.

D'Sybille mags mit Vanille - Cristallina-Werbung 1983. Für Slogan und Milchreis gilt: Nicht schlecht!

Kuhn Rikon-Werbung 1984: Dieser Spruch nervte wahrscheinlich schon damals. Aber der Duromatic-Dampfkochtopf ist ein Klassiker - besonders die Ausführung, bei welcher ein halbes Kochbuch auf den Deckel gedruckt war. Pfanne drehen, Kuhn Rikon sehen - gefällt mir.

Schweizer Äpfel, 1983: Ein saftiger Genuss im Comic-Gewand. Sollte wohl eindeutig ein jüngeres Publikum ansprechen - anders lässt sich die grosszügig interpretierte Gross-/Kleinschreibung nicht erklären.

Stamm Stammflor, 1983: Diese Spannteppiche verlegte man in den 80er Jahren quadratkilometerweise, um sie ein, zwei Jahrzehnte später kopfschüttelnd wieder herauszureissen. Die schönen alten Holzböden darunter danken es.

Maggi, 1983. Eine klassische Schweizer Marke, die hierzulande "Matschi" ausgesprochen wird. In Österreich scheinbar auch. In Deutschland - wir wissen es - jedoch "Magggggi". Solange der Glutamat-Anteil stimmt, spielt die Aussprache aber eine untergeordnete Rolle.

Möbel Pfister, 1984. Das Einkaufszentrum gibts noch heute und allzuviel hat sich nicht verändert. Möbel Pfister heisst nun Pfister, Fust hat sogar noch das selbe Logo... nur Radio TV Steiner hat sich in Luft aufgelöst. 


1984

2011

Apropos Möbel: Möbel Märki, 1983. Die Logos der beiden grossen Möbelhäuser glichen sich damals wie ein Ei dem anderen.

Rivella Rot, 1983 - König aller Tafelgetränke!

Rivella Blau, 1984 - Die blaue, kalorienarme Variante der Schweizer Nationagetränks hatte damals noch ein anderes Logo. Dies änderte sich, sofern ich mich richtig erinnere, aber in Bälde. Heute unterscheiden sich Rot, Blau, Grün und Gelb (fast) nur noch durch die Farbe:


Lindt, Lindor, 1983: Weichfilter-Alarm! Trotdzem die beste industriell-gefertigte Schokolade der Welt (besonders die Lindor-Kugeln).

Certina DS New Line, 1984 - In den 80ern bot das seit 1888 tätige Schweizer Tradtionsunternehmen besonders schmucke Designperlen. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert - vongestern.com trägt Certina (= unbezahlte Schleichwerbung).

Bally, 1983: Irgendwie vermittelt diese Werbung den Eindruck, die Dame sei durch einen kräftigen Windstoss über die Reling spediert worden. 1851 in Schönenwerd (SO) gegründet, befindet sich die internationale Luxusmarke heute nicht mehr in Schweizer Besitz. Zumindest ist der Hauptsitz noch im Tessin angesiedelt. Kürzlich war Bally in den Medien, weil das Unternehmen exotische Tierhäute verwendet, deren Herstellung minim von den Grundwerten des Schweizer Tierschutzes abweicht. Vielleicht besser wieder auf Chevreau-Leder (Ziegenleder) konzentrieren.  

SBG, 1983: Dieser Scan genügt den vongestern-Qualitätsansprüchen eigentlich nicht ganz, aber wo ein Mofa drauf steht, muss schliesslich vongestern drin sein. Die Schweizerische Bankgesellschaft fusionierte 1998 mit dem Bankverein zur gefürchteten UBS (United Bank of Switzerland). Zwar hiess schon die SBG UBS, aber UBS stand damals für Union de Banques Suisses, Unione di Banche Svizzere und Union Bank of Switzerland. Sehr interessant, ich weiss. Das UBS-Logo setzt sich folglich aus den Bankverein-Schlüsseln und dem Bankgesellschaft-Rot zusammen. Das Bankverein-Türkis wurde über die Reling geworfen.


Kommentare:

  1. Ich als Ostwestfale verstehe zum Teil nur Bahnhof...

    AntwortenLöschen
  2. kann mir jemand "für es härzigs pärli, we wett hürate" nach hochdeutsch übersetzen?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Für ein süsses Paar, das heiraten möchte. (--> Hochzeitsgeschenk)

      Löschen
    2. kann man, wenn man aus der ecke deutschlands mit dem reinsten hochdeutsch kommt, sich auf keinenfall erschließen

      Löschen
  3. Hallihallo und zuerst mal mein Kompliment an dich für diesen genialen Blog - angefangen habe ich mit einem Fotoroman und seit ich die durch habe, klicke ich mich durch den Rest :D
    Auch wenn der Post schon älter ist, freue ich mich, hier Aufklärungsarbeit leisten zu können: wir in Österreich sagen "Maggi" (mit "g") - und noch mehr freut mich, dass ich das mit einem Klassiker des österreichischen Films belegen kann: https://www.youtube.com/watch?v=rB5gsHBQx0A (ca. 0:17) (Indien mit Alfred Dorfer und Josef Hader, 1993 - sehr schönes Ambiente, tolle Kleidung!)

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...