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Sonntag, 10. Juni 2012

"Wenn sie dann noch wenigstens gute Hausfrauen wären!" Deutsche Mädchen-Debatte 1967

Die "Neue Jllustrierte Revue" war bekannt für ihren qualitativ hochstehenden Journalismus. Die RTL II-Printausgabe der Sechziger Jahre sozusagen. In der Nummer 30 1967 entdeckte ich eine repräsentative Debatte um das "Deutsche Mädchen". Scheinbar hatte das Käseblatt in einer früheren Ausgabe bereits feinsäuberlich recherchiert, dass "Deutsche Männer" bei Ausländerinnen nicht allzu hoch im Kurs zu stehen schienen. Als Reaktion auf die vielen erbosten Briefe drehte die Wochenzeitschrift den Spiess auf eine merkwürdige Art und Weise "um": Nun durften sich auch noch "Ausländer" zu Wort melden und aus allen Rohren gegen das Deutsche weibliche Geschlecht schiessen. Die vier Männer von Welt gingen dabei derart hart mit den armen Teutoninnen ins Gericht, dass man den Verdacht nicht loswird, die Texte seien komplett von der Revue-Redaktion erfunden worden.
Aber lest doch selbst:




Leider besitze ich die angesprochene Ausgabe nicht. Aber vielleicht läuft sie mir mal über den Weg.

"Sie haben kein Herz und keine Seele" - können Omars warmherzige Augen lügen?

Konserven statt Hausarbeit - pfui! Spanische Mädchen hingegen waschen sofort alles eigenhändig und mit grosser Liebe.

"Da, schau, ein süsser Ausländer namens 'Ringo Starr'!" - "Oh la la, hoffentlich hat er ein tolles Auto! Gleich den Minirock mit Hüftweite 100 hervorkramen und ab auf die Piste! Die Hausarbeit kann warten!"

Das klingt leider alles nicht besonders schmeichelhaft. Vielleicht lassen sich diese unverschämten Vorwürfe im Rest des Heftes entkräften. Schauen wir uns erst mal das Titelbild an - das ist in Farbe und zeigt den Pailletten-Bikini, den wir bereits aus diesem Beitrag kennen.

*zensierte Version* (auch in der Originalversion ist keine Nacktheit zu sehen)

Eine freundliche junge Dame - sicherlich eine Deutsche! Die Titelgeschichten lassen allerdings nicht viel Gutes erahnen: Hurra, die Abtreibungspille ist da! Des Deutschen ganz grosse Freiheit auf der neuen Sex-Insel Mallorca! Oh je...

Der erste Artikel zeigt hingegen, dass es die Deutschen damals sowieso niemandem Recht machen konnte:

Vielleicht besser, aber sicherlich weniger nett.

Die Gründe dafür lagen natürlich auf der Hand:

Apéro statt Gefechtsübung: Entspanntes Chillen mit Wein, Weib und Gesang.

Der nächste Artikel: die bereits angesprochene "ganz grosse Freiheit auf Mallorca". "Wie nie zuvor amüsiert sich Deutschlands Jugend heute. Die Unverheirateten werfen in diesem Sommer alle alten Feriensitten über Bord. Sie leben in Camps, wo es keine Verbote gibt. Ausser dem einen: Kein Zutritt für Erwachsene!"

So unbeliebt schien das Deutsche Mädchen im Ausland dann doch nicht zu sein.

"Und deine Wäsche würde ich dir notfalls auch noch waschen!" - "Deal!"

Kognak für 33 Pfennig - auf Malle liess es sich leben.

Fazit: So schlimm kanns nicht gewesen sein. Und wenn doch: Anderswo wars auch nicht besser - wie dieses Inserat aus der selben Zeitschrift empirisch beweist:

*nachträglich zensiert*





Kommentare:

  1. Hast du auch noch die Story "warum Männer unsere Kinder morden?"

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  2. Jaja, den Männern kann man es aber auch nicht recht machen. Wenn ich das richtig verstanden habe, fand doch der Spanier die deutschen Mädchen zu, äh, freizügig , und der Typ aus Sydney hat sich beschwert, weil sie zu kameradschaftlich seien. Ja, was denn nun?
    Sonja

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