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Samstag, 2. Februar 2013

Andreas Türck Reloaded (1998)

Andreas Türck, goldenes Zeitalter der Talkshow
Andreas Türck ist bekanntlich (?) zurück. Seit Dezember 2012 moderiert er auf Kabel 1 «Abenteuer Leben». 1998 startete Türck auf Pro7 die Talkshow mit dem originellen Namen «Andreas Türck». Damals gab es ungefähr eine Million Talkshows (mindestens!). Wenn man wollte, konnte man ab Mittag bis in den tiefsten Frühabend zuschauen, wie sich Menschen zum Affen machten. Die Teilnehmer wiesen nicht nur eine erfrischende Bildungsferne, sondern nicht selten auch eine gewisse Authentizität auf. Was man vom heutigen Trash-Nachmittagsprogramm nicht mehr behaupten kann: Entweder werden idiotische Gerichts-, Privatermittler- oder Politessen-Storys mit lausigen Drehbüchern von lausigen Laiendarstellern nachgespielt. Oder Hartz IV-Empfänger müssen für ein paar Euro und etwas temporäre Aufmerksamkeit so tun, als wäre der neue Freund der arbeitslosen Tochter das Schlimmste, was hätte passieren können - nebst eigener Arbeitslosigkeit, Übergewicht, Raucherhusten und Antriebslosigkeit.


Das alles war früher besser, Kinder. In den echten Talkshows stritten sich Zuhälter mit Bibliothekarinnen. Frauen mit kleinen Brüsten wollten Frauen mit grossen, falschen Brüsten beibringen, dass kleine Brüste die neuen grossen Brüste seien. Sozialschmarozer stellten sich gelassen den Vorwürfern des fleissigen, aufgebrachten Volkes. Übergewichtige Damen tanzten spontan in Unterwäsche und Buffalos an der Stange zu Eurodance, um das überschäumende Selbstbewusstsein zu demonstrieren.

Heute gibt es nur noch Britt. Sie hat als einzige überlebt und sieht trotz ihren mittlerweilen 40 Jahren immer noch aus wie 20. Dabei war sie, als 2001 ihre Show lanciert wurde, schon über 30. Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Sendung Käse ist. Hört mir auf mit Vaterschaftstests und Lügendetektoren. Letztere werden übrigens komplett nichtsnutzig eingesetzt. Damit mag man die Frage bantworten «Hast du diese Schokolade gestohlen?» - aber nicht: «Würdest du deine Ex immer noch so fest lieben wie am ersten Tag, wäre sie nicht mit deinem adoptierten Halbbruder durchgebrannt, nachdem sie dir dessen Kind angehängt hat?» Abgesehen davon interessiert diese Frage weit weniger als das Thema mit den Brüsten oder den Buffalos. Und am Schluss hält Britt noch eine Standpauke mit Erzieh-Effekt: «Es ist DEIN Kind, du bist erwachsen, kümmere dich darum, hole dir Hilfe, nimm DEIN Leben in die Hand, sprich dich aus, arbeitet an euch!» Nein danke.

Andreas Türck war damals ein Frauenschwarm. Er war nicht ganz so aalglatt wie einige seiner Kollegen, die mehr wie zukünftige Banker im Medienpraktikum wirkten. Der ehemals «erotischste Mann Deutschlands» (Amica) hatte einen unterschwelligen Rockstar-Touch. Ein Charaktergesicht mit guten Sprüchen und gelegentlichen Schweissflecken (die zum Gespött von Stefan Raab wurden). Als er 2004 der Vergewaltigung beschuldigt wurde, war seine blühende Karriere faktisch zu Ende. Zwar wurde er ein Jahr später freigesprochen - die Richter hielten die Aussagen des mutmasslichen Opfers für unglaubwürdig - aber den Stempel der Ungewissheit trug er fortan prominent auf der Stirn. Ein Kachelmann seiner Zeit, sozusagen. Auch wenn Türck kein Buch schrieb. 

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