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Freitag, 18. August 2017

Xavier und die Autogramme (1999)



Willkommen zurück! Sommerpause beendet. Heute geht es um Xavier Naidoo, der in den letzten Monaten nicht zu knapp Teil der öffentlichen Diskussion war. Das war er aber schon immer, wenn auch mit etwas harmloseren Themen. Zum Beispiel, als er 1999 beschloss, keine Autogramme mehr zu geben. Schriftliche Autogrammwünsche blieben zuerst eine halbe Ewigkeit unbeantwortet, ehe sich Naidoos damaliges Label 3p von Entdecker Moses P (der vor Kurzem übrigens ein ziemlich hörenswertes Album veröffentlicht hat) schriftlich meldete. Um zu retten, was zu retten war. Denn aus Sicht des Label-Managers war das ganze Theater wohl nicht unbedingt die ideale Basis für nachhaltige Fanliebe. BRAVO griff den Skandal auf und druckte den Brief in Hessisch-Englisch-Deutsch ab:




Autogramme sind leider alle, krasser Support aber weiterhin herzlichst willkommen. Kussi! Auf die Autogramm-Problematik aufmerksam wurde BRAVO eigentlich erst durch Verena (14) aus Bergisch Gladbach:



BRAVO erzählte daraufhin die Geschichte von Xavier. Damit man ihn verstehen konnte, ne? Kurz zusammengefasst: Er war immer sehr gläubig. Dann tat er Unchristliches – wie z.B. für Werbespots von Langnese zu singen. Dann wurde er von 3p entdeckt und vom Backgroundsänger zum Popstar. Und sogar zum Germany's Next Autogramm-Superstar 1999:




Dann veränderte er sich plötzlich, sprach vermehrt über Gott, lehnte einen Echo ab und überforderte seine minderjährigen Fans zunehmends mit seiner Art und seiner Einstellung. Eigentlich noch lustig. Mit BRAVO mochte er nicht über den Autogramm-Stopp sprechen, mit dem Männer-Magazin GQ in einem früheren Interview hingegen schon. Deshalb zitierte BRAVO kurzerhand GQ:




BRAVO erhielt von 3p nochmals ein offizielles Statement: «Sein Glaube und seine Überzeugung lassen es nicht länger zu, dass er als Ikone gefeiert wird. Ein Autogramm mit seinem Bild, das Menschen verehren, kommt Götzentum sehr nahe.»

Viele Fans hatten mit diesen Erklärungen ihre liebe Mühe und hielten das Verhalten für arrogant, abgehoben oder undankbar. Zum Beispiel Carina und Claudia, beide 15, aus Thüringen (D). Sie durften noch im selben Artikel ihrem Ärger Luft machen. Und zeigten, dass sie mit Xaviers Erklärung nicht viel anfangen konnten:






Nach besagtem Artikel wurde die BRAVO-Redaktion wieder einmal von Leserbriefen überflutet. In einer der folgenden Ausgabe gab's ein Best-of:



Einfach delitzsch, diese Leserbriefe! Leider weiß ich nicht, wie die Geschichte ausgegangen ist. Gibt Xavier Naidoo heute Autogramme? Es scheint so. Zumindest, wenn man an die Echtheit der auf Ebay angebotenen Unterschriften glaubt – was in diesen Fällen nicht sonderlich schwer fällt (wer fälscht schon Xavier Naidoo Autogramme?). Ende gut, alles gut!



Kommentare:

  1. Gibt Gott etwa Autogramme, hä? Natürlich nicht! Nun ja, Xavier mag ja ein netter Kerl sein, ich weiß es nicht. Aber als Literaturwissenschaftlerin winde ich mich vor Schmerzen, wenn ich seine schlechten Reime höre. Sorry.

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    1. Dafür muss man nicht Literaturwissenschaftler/in sein... ;-)

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    2. Stimmt, aber Literaturwissenschaftler winden sich besonders kunstvoll.

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    3. Genau! Das ist so wie wenn ein Sportlehrer ein übergewichtiges Kind sieht.

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  2. Wenn er nicht mit "Gott" argumentieren würde, könnte man sein Argument ja irgendwie sogar nachvollziehen, punkto wahnsinnigem Personenkult und so.
    Aber dieses ganze religiös-wahnhafte und verschwörungstheoretische was der in den letzten Jahrzehnten schon alles so von sich gegeben hat....sorry, kann den Typen nicht für voll nehmen^^

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  3. Fun Story dazu: Mein Mann hat mal ne weile im Bereich logodesign gearbeitet. irgendwann kam ein freund und bat ihm da mal was zu machen, junger Künstler, blabala, braucht logo für erste cd. hat er bekommen. als dank kam ne Woche später die cd mit einer botschaft "vielen dank für die Zusammenarbeit und herzliche grüße xavier"
    reingehört, naja, nicht so mein fall....cd verschwand in den tiefen des Schranks
    Wochen später im radio die erstveröffentlichung eines neuen Künstlers namens xavier Naidoo. die kinder ganz aufgeregt "papa, von dem haben wir ne cd!" "nein, kann nicht sein, die kommt ja heute erst raus" "doooooch papa" *gehen zum Schrank, holen besagte cd raus.
    ist somit anscheinend das erste offiziell signierte exemplar :D

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