Ich war nur kurz Zigaretten holen. Auf halbem Weg brach eine Pandemie aus. Danach gründete ich die eine oder andere Familie, wechselte den einen oder anderen Job und baute das eine oder andere Haus (mit den EIGENEN HÄNDEN!).
Ich habe euch aber nie vergessen, versprochen. Und es tat mir leid, dass einige dachten, ich sei ums Leben gekommen oder noch schlimmer, ich hätte einfach keine Lust mehr, den Blog zu betreiben. Eigentlich hatte ich in der Anfangsphase des Zigarettenholens lediglich keine Zeit mehr. So richtig keine Zeit mehr.
Später war ich dann frustriert, dass ich es nicht schaffte, das uralte vongestern-Template zumindest mal responsive zu machen (das bedeutet, dass ihr den Blog auch auf eurem Nokia 3310 lesen könnt). Später wollte ich den Blog zu Wordpress umziehen und scheitererte an der imensen Masse an Daten und Anzahl Dateien. Und dann war ich frustriert, dass ich so viele unbeantwortete Nachrichten einfach unbeantwortet liess. Das war alles plötzlich so weit weg und in Relation unwichtig. Es kamen immer mehr Nachrichten und ich mochte gar nicht mehr hinsehen.
Vielleicht musste wirklich erst eine Technologie entwickelt werden, die die Menschheit in den Abgrund reisst, auf dem Weg dahin aber noch für lau mein Web-Design-Problemchen lösen kann. Irgendwo zwischen Kinderbetreuung und Mittagessenkochen spuckte mir Claude gestern innert Sekunden einen Code aus, der schon beim ersten Versuch funktionierte. Kann man alles noch optimieren, ausbauen und schöner machen. Verschnörkeln und liebevoll verzieren. Wandtattoos mit «But First Coffee» oder «Carpe Diem» anbringen. Aber der Anfang ist geschafft.
Geht's jetzt weiter? Ich schaue mal. Ich war auch schon unmotivierter. Die Vorstellung, den Labrador kraulend, mit der anderen Hand Beiträge schreibend, im World Wide Web (www) eine KI-freie, kleine Insel zu betreiben, ist gross. Oder habt ihr schon mal einen Fotoroman-kommentierenden Roboter gesehen? Da, nimm, Roboter-Depp! Beim letzten Beitrag, 2019, war die Welt noch eine andere. Ich fühle mich wie ein Zeitreisender, der aus der Vergangenheit kommt und in einer Gaga-Epoche landet. Seven Years in Tibet. Aber jetzt wird alles gut. Vielleicht.
PS: Ich, m, Nichtraucher, war gar nicht Zigaretten holen. Aber der Rest stimmt.
PS2: Ich habe erst jetzt gesehen, dass das Kommentarsystem während meiner Abwesenheit geändert hat und über 400 Kommentare – kein einziger Spam darunter – auf Freischaltung warten. Ich schalte alle frei. Danke. Scheinbar kommen manche Leute regelmässig hier vorbei, um zu schauen, ob sich was tut. Hoffentlich tun sie es weiterhin. Kussi.
