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Freitag, 22. April 2011

Bademode '87: Klemmbikini & Co.

Die 80er Jahre verstehen lernen beginnt bei den formschönen Autos und endet bei Bademodetrends, die sich nur bedingt durchzusetzen vermochten. Aus diesem Anlass heute der Klemmbikini. Die Bezeichnung an sich strahlt schon den Charme eines defekten Kühlschranks aus - verbindet man doch "klemmen" mit unangenehmen Vorgängen, die man, bzw. frau sicherlich nicht mit Tätigkeiten unweit geschlechtsrelevanter Zonen assoziieren möchte. Auch wenn an dieser Stelle bemerkt werden muss, dass man, bzw. frau zu jener Zeit noch vieles wollte, was heute unverständlich scheint - z.B. schöne lange Haare in toupierte Vogelnester verwandeln, aber dazu später mehr.

Zurück zum Klemmbikni - der aufmerksame Leser / die aufmerksame Leserin / die aufmerksamen Lesenden (vongestern Blog - politisch korrekt seit 2010) bemerkt, dass mit diesem Ausdruck im aktuellen Beitrag nicht gerade sparsam umgegangen wird. Grund: "Klemmbikini" scheint ein vom Aussterben bedrohter Begriff zu sein und stellt selbst Google vor grössere Probleme. Die Suchmaschine spuckt als Toptreffer eine Diskussion über weibliche Bademode aus, die offensichtlich komplett von notgeilen Männern geführt wird:


Mit "Hallo liebe Frauen" beginnt schliesslich nur ein Mann eine Diskussion unter Frauen. Aber damit nicht genug, es antwortet auch gleich ein Mann und provoziert damit noch den Beitrag eines (relativ) ehrlichen Mannes - das alles im Forum "gofeminin"...


Lange Rede, kurzer Sinn, ein Klemmbikini-Revival scheint von Nöten. Nicht zuletzt deshalb, weil ich in Zukunft alle nostalgischen Klemmbikini-Sucher direkt auf vongestern.com ziehen und soviel Werbeeinnahmen generieren möchte, dass ich nie wieder arbeiten muss. In einer alten BRAVO-Ausgabe stiess ich also auf besagte Bademode, die sich über ein Stück Stoff mit eingearbeiteten Bügeln definiert. Zack, klemm, keine weiteren Fragen:


Spürt man kaum. Nomen est aber Omen, ein wenig klemmen gehört hier zum Deal. Lohn für die Mühe ist ein streifenfreier Teint - und ein Bikiniunterteil, das man zur Not auch als Obstschale benutzen kann. Es drängt sich an dieser Stelle ein zweites Anschauungsobjekt auf:


Ah ja, apropos 80er Jahre - Supertrends: Hier (oben) sehen wir auch noch die "wasserfesten Busenaufkleber", die laut BRAVO "der Renner bei brasilianischen Mädchen" gewesen sein sollen, back in '87. "Sie werden von einer Schutzfolie abgezogen und auf die mit Alkohol gereinigte Haut geklebt". Muss nicht sein, kann aber. Besonders wer in Brasilien lebt und jeden Tag klemmbikinisiert am Strand verbringt, braucht eine nicht unbeachtliche Menge an badetauglichen Abziehbildern.
Dies waren aber nur die Supertrends (aus London). Wer 1987 nicht auf den Klemm- und Klebzug aufsteigen wollte, konnte trotzdem auf ein ansehnliches Arsenal an topaktueller Bademode zurück greifen:
"Der Sternen-Bikini mit der "Schärpe" am Höschen kaschiert sogar ein kleines Bäuchlein". Preis: 90.50 DM. Das Bäuchlein muss man sich wohl dazu denken.


Karos waren - wie alle zwei Jahre wieder - auch 1987 in. Inklusive abnehmbarem Träger und "Baumwollrüschen" (Rüschchen schrieb man übrigens dazumals noch so. Da sich inzwischen die Rechtschreibung gefühlte 42 x verändert hat, ist diese Schreibweise gemäss Duden 2.0 Vista Family Edition sicher wieder korrekt).


Grün war wohl auch in. Das Badeanzug-gewordene VW-Zeichen könnte durchaus auch heute wieder angezogen werden. Würde man noch eine dritte Schicht drüber packen, hätte frau bald den 80er Jahre - Retro - Klemmeffekt zurück.


"Mit Jeans könnt Ihr jetzt auch baden gehen! Beim Bikini glitzert Strass rechts und links am Tanga und in der Mitte des Bandeaus (Karstadt, DM 79). Wer lieber Badeanzug trägt: Die weissen Längsnähte machen schlank, eine schmale Wäschespitze fasst das Dekolleté ein (Karstadt, DM 89). Jungs tragen lässige Bermuda-Shorts in lustigen Farben (Belfe, DM 110)."

Da bleibt eigentlich nicht viel anzufügen. Ausser, dass 110 DM für ein Paar lässige Shorts auch damals ein stolzer Preis waren. Teuerungsbereinigt entspricht das heute einem gebrauchten Golf I - zwar ohne lässige Farbe, aber mit garantiertem Hinguck-Faktor vor der Badeanstalt des Vertrauens.


"Glänzende Materialien sind für diesen Sommer ein grosses Thema. Einen interessanten Schnitt hat der türkisfarbene Badeanzug mit aufgepresste Glanz-Graffiti: Von hinten sieht er aus wie in Bikini (Schiesser, DM 90)".

Zum Schluss nochmals ein Begriff mit überschaubarem Sexappeal: Aufgepresstes Glanz-Graffiti. Immerhin hat dieser Badeanzug den Vorteil, dass er von hinten aussieht wie ein Bikini. Lieber so, als umgekehrt.





Nachtrag 27.4.2011 zum Thema Klemmbikini:
In einer Forums-Diskussion über dieses Posting wurde dieser Beitrag gemacht:


Das wusste ich nicht und bedanke mich für den Hinweis. Zumindest war meine Annahme richtig, dass sich der Name "Klemmbikini" aus dem Sprachgebrauch verabschiedet hat - C-String klingt da wesentlich moderner. Erfahrungsberichte zur Bequemlichkeit kann ich keine geben und das ist auch gut so. Als Obstschale dürfte sich der C-String nicht mehr eignen - aber über eine Umfunkionierung zum Brieföffner könnte man durchaus diskutieren.

Kommentare:

  1. Vielen Dank für den Beitrag. Hab selten so gelacht, wenn´s um Mode geht ;-)

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  2. Freut mich zu hören, danke! :-)

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  3. Ich habe eben Tränen gelacht. Tolle Seite ist das hier. Bravo :)

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  4. Huuuuuuut... ab!!!
    Tolle Seite!!! (fahre Autos aus dieser Ära)

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  5. Ihr Blog ist für mich wie eine Zeitreise. :-)

    Viel Spaß weiterhin, Yngo Gutmann

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  6. Grad entdeckt - gelacht - für gut befunden und auf Verfolgungsmodus geschalten ;)

    Klasse Blog!

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  7. Man könnte den ersten Herren auch falsch verstehen... vllt trägt er ja String-Bikini am Strand und will wissen was Frauen davon halten... kann mir gut vorstellen, dass das einige Kommentare provoziert

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  8. ich hab Tränen in den Augen....

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  9. Richtig richtig witzig, genialer Blog!

    Der neue Klemmbikini (grandiose Wortschöpfung!) sieht aus wie 'ne aufgeklebte Slipeinlage, was für ein Modefrevel :D

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  10. Weiße Längsnähte machen also schlank! Gut zu wissen! Dann kann ich ja nun mit meinen 300 Kilo auch elegant über den Strand robben. Ich muss nur weiße Längsnähte tragen!

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  11. Oh ja, damals war es ja hip einen Beinausschnitt bis zu den Achseln zu haben - ätzend!!!! Bitte so was NIE wieder!
    Und in den frühen 80ern war es auch nicht so mit rasieren, zumindest in unseren Breitengraden. Da durfte die ähm, Behaarung noch links und rechts aus der Bikinihose rausschauen.

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