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Mittwoch, 25. Juli 2018

Öffnen deine Eltern deine Briefe? (1989)


Große BRAVO-Umfrage: Öffnen deine Eltern deine Briefe? Es gab mal eine Zeit, da war man auf Briefpost angewiesen, wenn man sozial im Gespräch bleiben wollte. Heute unvorstellbar. Sämtliche Kommunikation lief damals über den elterlichen Briefkasten. Da konnte es scheinbar passieren, dass Vati und Mutti die Briefe der Kinder «aus purer Neugier» öffneten und je nach Inhalt direkt mehrere Wochen Hausarest verhängten. Ohne Verfahren.

Entsprechend sorgsam ging man früher beim Verfassen von delikaten Inhalten vor. Verwendete geheime Codes, schrieb in mysteriöser Geheimsprache. So stand etwa «Der Adler ist gelandet» für «Du, ich sehne mich unerhört nach dir, ja? Ne? Was?» Oder «Die Schwalben fliegen tief» hieß nichts geringeres als «Nächste Woche ist Rummel – eine Runde Autoscooter mit Arm?»

Es verwundert deshalb wenig, dass Eltern heute ihren Kindern den sorgsamen Umgang mit Daten im Internet mit folgendem Vergleich nahelegen wollen: Schreib nie, was du nicht auch auf eine Postkarte schreiben würdest. Und zeige nie, was du nicht auf eine Postkarte gedruckt versenden würdest. Stichwort Sexting, Petting, diverses.

Das Problem: Die heutige Jugend weiß gar nicht mehr, was eine Postkarte ist. Wozu sie gut ist. Wie man sie verwendet, wie man sie versendet. Was danach das Problem ist (Postbote, Eltern, Pferdle etc). Also safe nicht so lit, der Vergleich.

Früher war die Lage wesentlich übersichtlicher: Es wussten weder Grosskonzerne, App-Betreiber noch Hacker Bescheid – dafür die Post und die Eltern. Das Recht auf Vergessen regelte nicht Brüssel, sondern Mutter Natur. 


Vorsicht, der Feind liest mit: Früher gehörte es zum guten Ton, dass Mutti ein mahnendes Auge auf Dirks Liebesgeschwurbel warf, ehe dieser im Bereich Fensterln/Fingerln aktiv wurde.

Wir hätten hier beispielsweise Jenny (14). Sie ist eher der proaktive Typ und liest den Eltern lieber gleich alle Briefe vor, bevor sie auf dumme Ideen kommen. Clever, denn wenn dann die richtig delikaten Schreiben ins Haus flattern – Stichwort Satanismus und/oder Rauschgift – sind Mutti und Vati derart übersättigt, dass sie gar nichts mehr hören wollen.


Weniger Probleme mit Briefen hat Florian (17): Er kriegt keine, als gibt's auch nichts zu öffnen. Und wenn ihm dann mal ein irre starkes Girl (16) einen Brief schreibt, lässt er diesen offen liegen. Stark! Es stehen ja ohnehin nur harmlose Sachen drin. Wie zum Beispiel: «Der Adler brütet ein Ei aus. Ich wiederhole: Der Adler brütet ein Ei aus.»


Nina (17) hat großes Glück: Ihr alleinerziehender Vater scheint ziemlich okay zu sein.


Weniger Glück hat diesbezüglich René (16): Er muss sich mit einer recht unverschämten Mutter herumschlagen. Aber hey... sie ist einfach neugierig, so what? René findet das nicht gut. Ich auch nicht.


Isis (14) hat nicht nur einen Namen, den man heute wohl nicht mehr vergeben würde (wegen der tschechoslowakischen Automarke Isis... einfach unhaltbar!), sondern auch einen volljährigen Freund, den man heute vermutlich nicht mehr akzeptieren würde. Dieser befindet sich seit einigen in London und lässt nichts mehr von sich hören. Ob das wirklich Muttis Schuld ist, liebe Isis? Es wäre natürlich interessant, zu erfahren, was aus der Geschichte wurde. Die Vorstellung, dass London-Hansi wochenlang verzweifelt versuchte, seine Herzallerliebste zu erreichen – im Unwissen, dass Mutti alle Briefe straight into Altpapier beförderte – und am Ende deprimiert schlussfolgerte, dass Isis nichts mehr von ihm wissen will, hinterlässt ein bedrückendes Gefühl in der Magengegend. Vermutlich hat sich Hansi aber die Zeit ganz einfach mit Crack und Hasch vertrieben und sich nebenbei Bristol-Uschi (16) angelacht. Man wird es nie erfahren (es sei denn, Isis meldet sich und erzählt die Geschichte zu Ende – wir würden uns freuen).




Kommentare:

  1. «Der Adler brütet ein Ei aus. Ich wiederhole: Der Adler brütet ein Ei aus.» Made my day! Wirklich herrlich. ^______^

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