Alles selbst eingescannt aus alten Zeitschriften.

Dienstag, 27. Mai 2014

Das beweist seine Unschuld! Leserbriefe 1994

Unschuldig!
Heute drei schöne Beispiele zur Leserbriefkultur der 90er Jahre. Egal ob positiv oder negativ – im nächsten Heft erhielt die Redaktion die Quittung. Nicht selten hat man das Gefühl, die Leserinnen und Leser (vor allem die Leserinnen) hätten damals grundsätzlich alles Gedruckte als unantastbare objektive Wahrheit angesehen. (Nachtrag: Es gibt allerdings auch die nachvollziehbare Theorie, dass ohnehin alle Leserbriefe von der Redaktion geschrieben wurden). Dabei konnten Redaktionen in Zeiten vor der Informationstransparenz (= dieses Internet) sich noch viel freier irgendwas aus den Fingern saugen, wenn ihnen danach war. Überprüfen konnte es ja ohnehin niemand. Und die Stars waren den Medien viel stärker ausgeliefert, da sie keinen direkten Kommunikationskanal zu den Fans hatten wie heute (= diese sozialen Medien). Die wenigen Stars, die aktiv Krieg gegen die Medien führten (wie zum Beispiel Axl Rose) überliessen die Informationshoheit komplett irgendwelchen Journalisten. Gewehrt wurde sich allenfalls mit Fäusten oder mit musikalischen Abrechnungen («Get in the Ring»). Aber das ist eine andere Geschichte, vielleicht ein andermal. Jetzt zu Prince Ital Joe am Telefon:




Petra S. aus Lindau kombinierte messerscharf: Wer auf das Tonband des BRAVO-Teleofons spricht, kann kein schlechter Mensch sein. Womit seine Unschuld eindeutig bewiesen war – die Richter konnten den Fall guten Gewissens zu den Akten legen. Prince Ital Joe – bekannt durch seine musikalische Zusammenarbeit mit Mark «Marky Mark» Wahlberg – ist übrigens 2001 bei einem Autounfall gestorben.   




Da haben sich bestimmt die Eltern von Stefanie S. gefreut: Erst der Anschluss tagelang besetzt und Ende Montag die Telefonrechnung im Gegenwert eines abgehalfterten Kleinwagens. Ob für das BRAVO-Telefon Extra-Gebühren anfielen oder ob es eine normale Telefonnummer war, ist mir unbekannt (steht auch nirgends). Vielleicht kann sich mal jemand, der da schon mal angerufen hat, dazu äussern.




Minus eine Leserin: Bei ihrer Lieblingsband New Kids on the Block hörte für Nicole H. der Spass allerspätestens auf. Stocksauer war sie. Dass ausgerechnet das Jugendorgan schlechthin jegliche Loyalität zur abserbelnden Mutter aller Boybands vermissen liess, fand Nicci on the Block alles andere als akzeptabel. Dabei war das körperbetonte Shirt in Grösse Fallschirm ein echter Hingucker. Die Band löste sich übrigens im selben Jahr auf. Ob es neben des T-Shirts noch andere Gründe gab, ist unbekannt. Ein Mitglied war Donnie Wahlberg, der ältere Bruder von Mark. Donnie spielte z.B in «The Sixth Sense» oder «Saw» (Teile 2-15) mit. Dies als kleine Aufdatierung für alle Leserinnen und Leser, die 1994 noch die Windeln representeten.

Kommentare:

  1. Da es eine normale Festnetznummer ist dürfte der Anruf zum entsprechenden Tarif gelaufen sein. Aber damals waren Ferngespräche auch noch richtig teuer, das dürfte also im Hause S. ein Donnerwetter gegeben haben.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Zum Glück hatte Steffi in der Zwischenzeit alles auswendig gelernt und konnte das Tonband im Kopf auf Dauerschleife weiter abspielen – for FREE!

      Löschen
    2. Ich erinnere mich, daß 1991 eine Stunde Ferngespräch etwa 20 DM kostete, und 1994 werden die Preise vermutlich noch ungefähr gleich hoch gewesen sein. Die erste richtig spürbare Preissenkung fand 1998 statt, als Call-by-Call eingeführt wurde.

      Löschen
  2. Das Model mit dem T-Shirt hat nicht einmal Schuhe an! Sexy die grauen Socken, haha.

    AntwortenLöschen
  3. Ich habe da gerade mal angerufen. Die haben scheinbar vergessen, den AB auszustellen. Prince Ital Joe spricht immernoch...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja ja :P Habe das längst auch schon versuchst, da passiert nichts *lach*

      Löschen
    2. Jetzt war ich einen Moment lang verwirrt und dachte, ich hätte was verpasst ;-)

      Löschen
  4. Hat die "Leserbriefe" nicht ohnehin irgendein besoffener Volontär geschrieben? Bei anderen *hust* "Publikationen" war das jedenfalls immer so...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ok, bei den Lobeshymnen müsste man wohl darüber nachdenken... aber denke, wieso die wertvolle Arbeitszeit eines besoffenen Volontärs in Anspruch nehmen, wenn die Dinger sowieso ins Haus flattern...

      Löschen
    2. Weil echte Briefe von echten Bravo Fans so dumm sind, dass sie noch nicht mal mehr witzig sind. Bedenke: Leserbriefe an Bravo waren früher das, was heute SpOn-Kommentare sind. Ich war mal als Praktikant mit der Aufgabe betraut, aus Müllsäcken voller Briefe irgendwas brauchbares rauszufischen. Da schreibt man doch lieber selber einen vorzeigbaren Stichwort-gebenden Text.

      Löschen
  5. Eine weitere investigative Frage: Hat die Bravo damals Werbung für Bekleidung gemacht, die sich an schwangere Teenies richtet? Das "Turnschuh"-Shirt rechts über dem NKOTB-Shirt vermittelt mir den Eindruck.
    Das wäre dann doch wohl noch etwas progressiver gewesen als ein Anti-Fan-Shirt (natürlich nur aus Sicht der total mega-uncoolen Eltern).

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Andererseits: Mag auch nur sein, dass das eher schmale Model ein T-Shirt in XXL vorführen sollte und der Begriff "unvorteilhaft" war dem Fotographen noch nicht bekannt (Wie schon erwähnt: Ist ja alles vor dem Siegeszugs des Internets).

      Löschen
    2. Neee, die mussten damals in dieser Kategorie immer mehr Stoff zeigen, damit die Menge des gezeigten Stoffs durch die Heranwachsenden-Wichsvorlage-Doppelseite mit dem nackten Jungen und Mädchen nicht ins Jugendgefährdende sank...

      Löschen
  6. Uh... erstens: Diese Leserbriefe sind ja keine Leserbriefe. Denn dazu müssten sie von Lesern geschrieben sein. (Ich hab mal in den 90ern im "Bravo"-Universum mitgewirkt... natürlich sind das keine echten Einsendungen, genausowenig wie bei Dr Sommer). Zweitens: Es ist heute nicht anders. Man könnte zwar theoretisch jede Nachricht überprüfen und die Originalquellen oder andere Berichte zum selben Thema googeln, aber es tut keiner. NIEMAND. Nicht mal die, die glauben, dass sie so smart sind. Die machen es vielleicht einmal in der Wohe, das zählt nicht.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oh, das hätte ich so jetzt aber nicht vermutet... zumal ich gerade kürzlich eine Dr. Sommer-Antwort las auf den Vorwurf, es sei eh alles erfunden. Das mit den Quellen stimmt natürlich. Trotzdem wäre es rein theoretisch möglich, wenn es mal wirklich eine Rolle spielt. Ich habe schon Gespräche mit Redaktoren aus dieser Zeit (und 70er Jahre), das war teilweise derart haarsträubend, dass ich zum Schluss kam, dass es heute zumidnest leicht abgeschwächt sein muss.

      Löschen
    2. Hätte mich auch gewundert, wenn sich nicht irgendein Wichtigtuer gemeldet hätte, der mal "im Bravo-Universum mitgewirkt" hat und darum genau Bescheid weiß.
      Dabei ist die interessierte Öffentlichkeit inzwischen ziemlich genau über die Erfolgsgeschichte von Dr. Sommer, v.a. die Rolle und die Verdienste des 2012 verstorbenen Martin Goldstein, nun ja - aufgeklärt ...

      Löschen
    3. ich hab tatsächlich mit 14 (1992 oder so) mal an das dr.-sommer-team geschrieben, mein - natürlich frei erfundenes - problem war dass ich schwanger bin und das bei mehreren möglichen kindsvätern. von der bravo kam nach zig wochen ein brief zurück (zu diesem zeitpunkt wäre eine abtreibung schon lange nicht mehr möglich gewesen - die bravo entschuldigte sich für die verspätung mit "internem umzug"), in dem mir geraten wurde, die nächste pro-familia-beratungsstelle aufzusuchen. freundlicherweise mit kontaktdaten ;) es gibt also tatsächlich dort menschen, die - nicht rechtzeitig, aber immerhin - antwort geben. allerdings ar ja meine frage auch nur fake :P

      Löschen
  7. Ist das Model mit dem T-Shirt nicht das Mädchen aus dem Fotoroman Pferdemist, Drugs & ... ? Da wurde ein Mädchen auch gleich für 20 Ausgaben verhackschnitzelt!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Also wenn du mich fragst, war Miss Pferdemist noch einen Tick schöner. Obwohl natürlich auch Miss NKOTB hier sehr schön ist.

      Löschen
  8. Hatte damals in den 90ern häufig mal beruflich mit der Bravo-Red. zu tun und kann im Nachhinein nur noch feststellen, dass das eine der besten und professionellsten Verwertungsmaschinen war, die ich bislang bei der Arbeit erleben durfte. Nur übertroffen von ZDF-Enterprises oder Dolce Media.
    Eines ist sicher: ich hatte den Eindruck, dass es sowohl dem Verlag wie auch der Red. völlig egal war, was echt, was fake war.
    Echt waren übrigens die Interviews und die Fotos der richtigen Stars (Jackson, etc.), alles was Neu und Hip sah dann aber für mich eher so aus, als sei es der Feder der jeweiligen Plattenfirma (manchmal meiner) entsprungen....

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Na das musste jetzt aber unbedingt noch rein... Plattenfirma (manchmal meiner)... Du toller Hecht!

      Löschen
  9. Mich würde der "kunstvoll verzerrte Photodruck der Kult-Maschine" interessieren... :D

    AntwortenLöschen
  10. Kann nicht sein, muss aber...

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...